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Atheismus für Bekloppte

by James T. Kirk on September 28th, 2013

So, jetzt habe ich mich mal wieder durchgerungen, einen Text zu schreiben. Diesmal geht’s mal nicht um ein Gender-Thema, sondern über die Atheismus-Debatte, die immer wieder auf Alles Evolution entbrennt. Nachdem ich zuletzt über Arne Hoffmann hergezogen bin und gnadenlos seine Homo- und Islamophilie entlarvt habe, ist nun das nächste Opfer dran: Christian Schmidt, der Autor von Alles Evolution.

Arne Hoffmann als “Konfessionslinken” zu bezeichnen war vielleicht etwas suboptimal. Denn für einen solchen Linken ist es natürlich unmöglich, die Heiligkeit des Feminismus infrage zu stellen. Arne Hoffmann ist also durchaus fähig, linke Heiligtümer zu hinterfragen. Meiner Meinung nach sollte er diese Fähigkeit zur Unkorrektheit auch auf die Themenkomplexe Islam und Homosexualität ausweiten. Auch dort gibt es Opfermimosen und deren politisch-korrekte Helfer, die es weit gebracht haben und der Gesellschaft Denkverbote diktieren.

Aber nun zum nächsten Opfer meiner messerscharfen Analysen. Auf Christian Schmidts Blog kommt es immer wieder zu heftigen Gefechten zwischen Neuen Atheisten, Agnostikern, Gläubigen und alten Atheisten. Die Neuen Atheisten sind ein etwas merkwürdiger Haufen, der sich um den Guru und Religionsgründer Richard Dawkins sammelt. Ihnen geht es nicht nur um eine seriöse Kritik von religiösen Fundamentalismen und Pathologien, sondern sie wollen den Endsieg über die Religionen erreichen. Eine Existenz Gottes sei schlicht “sehr unwahrscheinlich” und wissenschaftlich nicht zu belegen. Richard Dawkins bezeichnet Religionen grundsätzlich als Wahn und möchte sie gerne gesellschaftlich “überwunden” sehen.

Daß religiöse Vorstellungen über transzendente Welten nicht wissenschaftlich verifizierbar sind, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Es vertritt auch kein aufgeklärter Gläubiger diesen Anspruch. Schon diese Blickrichtung der Neuen Atheisten zeigt, daß diese ein paar grundsätzliche Dinge nicht begriffen haben. Gott kann noch so unwahrscheinlich sein, das wird wohl kaum einen Gläubigen kümmern. Furiose Atheisten haben offenbar noch nicht verstanden, daß sich Religiosität nicht rationalen und wissenschaftlichen Argumenten verdankt, sondern subjektiven Befindlichkeiten und Gefühlen.

In der Auseinandersetzung mit atheistischen Fundamentalisten trifft man immer wieder auf sehr schlichte Argumentationsmuster. In diesem Artikel möchte ich eine dieser Argumentationsfiguren vorstellen und am Beispiel von einem Disput auf Alles Evolution zeigen, auf was für einem Niveau sich die sogenannten “Neuen Atheisten” bewegen.

Eine gewichtige Säule im Lügensystem des “Neuen Atheismus” besteht darin, Religionen möglichst deppert und mittelalterlich darzustellen. Von gläubigen Menschen wird ein Bild gezeichnet, als seien ihnen die Naturwissenschaften grundsätzlich suspekt und als würden sie für die Rätsel der Natur gerne einen allmächtigen Gott als Erklärung setzen. In der philosophischen Debatte wird dieser Gott auch als “Lückenbüßer-Gott” bezeichnet, da er sozusagen für alles herhalten muß, für das noch keine wissenschaftliche Erklärung vorhanden ist. Offenbar haben sich die Neuen Atheisten noch kein wirklich realistisches Bild des Christentums im westlichen Kulturkreis gemacht.

In einer Diskussion auf Alles Evolution formuliert der Kommentator Seitenblick es so:

Im Übrigen geht die Diskussion überwiegend von einem etwas simplifizierten Religionsbegriff aus. Die Vertreter einer dezidiert nachkantischen Religionsphilosophie, bei denen der Gottesbegriff nicht zur Erklärung von Weltphänomenen dient, werden vom größten Teil der Kritik gar nicht getroffen.

Nehmen wir bsw. Schleiermacher, der an Kant und Fichte anknüpft und eine subjektivitätstheoretische Religionsphilosophie vertritt. Konsequenterweise ist bei ihm Gott nicht Gegenstand der Erkenntnis, und er hat auch keine Lückenbüßerfunktion für bis jetzt noch nicht erkannte Phänomene.

Freilich braucht man für dieses Religionsverständnis keine alten Philosophen heranzuziehen, auch wenn diese es korrekt beschreiben. Die Gläubigen formulieren ihren Glauben ja nicht anhand von tiefgehenden philosophischen Erörterungen. Auch “Seitenblick” weist hier also darauf hin, daß die atheistischen Fundamentalisten keinerlei Interesse daran haben, Religionen so darzustellen, wie es realistisch ist – denn so könnten Gläubige vorteilhafter dastehen, als es den Jüngern um Richard Dawkins lieb ist.

Hier sei nun auf den Abwehrstatus bzw. den Verleugnungszustand von Christian Schmidt verwiesen. Denn dieser offenbart auf seinem Blog die eben beschriebenen Mechanismen häufig in bezug auf den Feminismus und spricht zudem auch oft von In- und Outgrouping, das für geschlossene Weltbilder nötig sei. Er ist also durchaus in der Lage, die rhetorischen und psychologischen Feindbildmechanismen zu erkennen, wenn es sich um feministische Diskursbeiträge handelt. Amüsant wird es, wenn man sich mal Christian Schmidts Begriff von der “Strohmann-Biologie” zur Brust nimmt, den er geprägt hat, um zu beschreiben, welch simplifizierendes Bild Gender-Ideologen von biologischen Erklärungen zeichnen. Es ist nicht schwer, sich den Begriff der “Strohmann-Religion” auszudenken, wenn man über den Geisteszustand der Neuen Atheisten spricht. Christian Schmidt ist offenbar nicht fähig dazu, diese Mechanismen in bezug auf seine Sekte zu erfassen: Daß dort die gleichen Muster der pauschalen Delegitimierung zu erkennen sind bzw. das völlige Desinteresse, Religionen und Religiosität auch nur annähernd gerecht zu werden.

So wie Feminismuskritiker und Männerrechtler durchwegs als “rechts”, frauenfeindlich oder in ihrer Männlichkeit zurückgeblieben dargestellt werden, so stellt Richard Dawkins religiöse Menschen als Idioten dar, die nicht zu einem historisch-kritischen Blick auf ihre Schriften fähig seien.

Bekanntlich gibt es genügend Gläubige, die weder Probleme mit der Evolutionstheorie haben, noch mit Wissenschaft im allgemeinen noch mit der menschlichen Sexualität. Und bekanntlich ist diese Gruppe in den letzten 200 Jahren nicht kleiner, sondern wesentlich größer geworden. Unter normalen geistigen Umständen wären diese Sachverhalte also Anlaß genug, die Religion als solche vom Verdikt der Wahnhaftigkeit freizusprechen und die Ursache für religiöse Pathologien woanders zu suchen – z.B. in einer gewalttätigen Erziehung, die sich später dann in entsprechenden autoritären Gottesbildern der Erwachsenen widerspiegelt. Nur so ein Gedanke von mir. :)

Als oberster Tiefenpsychologe der Männerbewegung möchte ich nun anhand von ein paar Diskussionssequenzen zeigen, wie unvorstellbar die Abwehrhaltung aufseiten von Christian Schmidt und anderen atheistischen Berserkern ist, als ich versuche ihm das zuletzt ausgeführte Problem zu erklären. Hierzu sei noch angemerkt, daß ich schon zahlreiche Debatten dieser Art auf Alles Evolution geführt hatte und immer wieder auf dieselbe primitive Abwehr und Verleugnung gestoßen bin. Auch andere Kommentatoren hatten immer wieder mit ähnlichen Argumenten wie den meinen auf die Schwachstellen des Neuen Atheismus aufmerksam gemacht.

In meinem folgenden Kommentar zitiere ich die Passagen von “Seitenblick”, die einerseits zeigen, mit was für einem paranoiden Tunnelblick die “Neuen Atheisten” auf Religionen schauen und sie quasi verkrüppeln, und andererseits welch absurde Argumentationsmuster sie verwenden.

Alles Evolution

Christian Schmidt schafft es nun, mit keinem einzigen Wort auf das Problem einzugehen, das ich in diesem Kommentar anführe. Diese Situation hatte ich schon viele Male zuvor erlebt. Stattdessen wechselt Schmidt die Ebene und möchte wissen, welche Theorien denn eine Transzendenz erklären würden, die besser sind als Theorien, die ohne sie auskommen.

Nenne mir doch mal einen Umstand, den deine Transzendenz besser erklärt als Theorien, die ohne sie auskommen.

Und nenne mir mal einen Vorteil einer solchen Sicht, außer das man damit seine Religion rettet.

An solchen Stellen kommt ein philosophisch reflektierter Mensch regelmäßig zum Verzweifeln. Denn die Frage, ob ein Gott existiert oder nicht, ist schlicht eine Sache des Glaubens. Jeder Mensch darf hier schalten und walten, wie er will. Man glaubt nicht, weil wissenschaftliche Argumente vorliegen, sondern weil das subjektive Empfinden diese Sprache spricht. Hier erweisen sich die Neuen Atheisten auch als wahrhafte Vollidioten: Man verlangt also diesseitige (=wissenschaftliche) Argumente, um eine Transzendenz zu begründen oder plausibel zu machen. Was soll man davon halten?

An solchen Stellen zeigt sich schön, daß atheistische Fundamentalisten die neuen Abergläubischen sind, die neuen Hinterwäldler. Denn vor 300 oder 400 Jahren und noch früher erklärten sich viele Menschen diesseitige Phänomene mit jenseitigen Spekulationen. Nun will Richard Dawkins und ein gewisser Christian Schmidt also diesseitige Argumente für ein jenseitiges Phänomen, das man annehmen kann oder nicht.

Das ist die neue selbstverschuldete Unmündigkeit, die uns die Neuen Atheisten nahebringen. Sie heben eine ganz einfache Sache nicht verstanden: Für etwas Jenseitiges läßt sich nicht wissenschaftlich argumentieren. Die Neuen Atheisten haben schlicht und einfach noch nicht den Begriff der Transzendenz verstanden. Sie sind die neuen Pharisäer, die das subjektive Empfinden der Menschen nicht gelten lassen wollen. Man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, was für philosophische Vollidioten diese Atheisten sind. Denn bei ihrem Sektengründer handelt es sich um einen arrivierten Professor, der unter dem Fanfarengeheul der Aufklärung zu agieren meint.

Hier scheint wohl doch eine neue Inszenierung von “Des Kaisers neue Kleider” stattzufinden. Die Neuen Atheisten bewegen sich also in völlig absurden Denkstrukturen. Hierzu könnte man noch einiges mehr schreiben. In diesem Post wollte ich aber erst einmal nur zeigen, daß die Neuen Atheisten nicht gewillt sind zuzugeben geschweige denn zu verstehen, daß sie eine wahnhafte und völlig unrealistische Vorstellung von Religion haben. Sie berufen sich auf diverse Fundamentalismen und blenden jegliche aufgeklärten Formen von Religiosität aus.

Darüberhinaus habe ich diesen Artikel zum Anlaß genommen, auch zu verdeutlichen, daß simpelste philosophische Begriffe wie Diesseits und Jenseits nicht begriffen werden. Mal abgesehen davon, daß es für’s Jenseits keine wissenschaftlichen Argumente geben kann, fragt man sich auch, was Religion überhaupt für einen Sinn hätte, wäre sie rational begründbar, wäre ein Leben jenseits der Materie verifizierbar. Solch ein absurder Blick auf Religionen und die Fährnisse des Daseins verdankt sich wohl der fanatischen Sandkastenperspektive der atheistischen Fundamentalisten.

Es ist nebenbei bemerkt ein ähnlich absurder Blick wie ihn religiöse Fundamentalisten auf die Naturwissenschaften haben. Die einen haben wohl Probleme mit den Eigenheiten des Glaubens und eines möglichen Jenseits, die anderen haben ein gestörtes Verhältnis zur Diesseitigkeit und zu den Möglichkeiten der menschlichen Vernunft.

Auch wenn folgender Hinweis eigentlich unnötig ist, so möchte ich abschließend noch betonen, daß ich mit meinen Ausführungen natürlich keineswegs einen “unschuldigen” Atheismus kritisiere oder für Humbug erkläre. So etwas habe ich nicht nötig. Ein Atheismus, der ohne Verfemungen, Trivialisierungen und philosophischen Nonsens auskommt, ist natürlich völlig legitim und ein möglicher Blick auf die Welt.

Ein anderer Blick auf die Welt ist der religiöse. Man möge beide Blicke respektieren.

5 Comments
  1. just3cents permalink

    Hab die Diskussion mal nachgelesen.
    Fand im Fortgang von eben dem zitierten Seitenblick folgenden Ausspruch:

    “Was Kirk allerdings will und wann und ob der mal aus seiner kuschelig-gruseligen Alice Miller-Welt rauskommt – i have no idea.

    Und sicherheitshalber distanziere ich mich mal von ihm ;-) .”

    Hm.
    ;-).

    “als oberster Tiefenpsychologe der Männerbewegung”.
    Boah!

  2. @ just3cents

    Ja, das habe ich auch gelesen. Aber hinsichtlich des atheistischen Fundamentalismus hat Seitenblick ja recht. Er hat nur sehr offenkundig Probleme damit, sich nüchtern und sachlich mit den Argumenten von Alice Miller auseinanderzusetzen. Das haben viele Menschen, da man hier nicht mit intellektuellen Unverbindlichkeiten weiterkommt, sondern sehr existentielle und angstbesetzte Dinge berührt werden.

    Mit solchen Abwehrgesten wie von Seitenblick habe ich keine Probleme. Damit muß man leben können, sobald man sich ernsthaft dem Thema der Kindheit widmet und nicht auf geschwollene Theorien zurückgreift.

    Du kannst an der Rhetorik von Seitenblick sehr gut sehen, daß da etwas bei ihm “getroffen” wurde. Sonst würde er wohl lockerer mit mir umgehen. ;)

    http://www.alice-miller.com

  3. “Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.” Ludwig Feuerbach

    Der Artikel und der Blog gefallen mir. In meiner Freidenker Galerie beschäftige ich mich auch mit dem Thema Atheismus. Wie ein roter Faden zieht sich atheistisches Gedankengut durch die gesamte Galerie. Mehr Infos über mich und meine Arbeiten fidet ihr hier:
    http://www.freidenker-galerie.de/acrylbilder-lustige-zitate-politik-und-religion-2/

  4. Zur Lockerung ein schönes Zitat
    “Wenn eine Gans sich einen Gott erdichtet, dann muss er schnattern.”
    Michel de Montaigne

    Schöne Grüsse aus der http://www.freidenker-galerie.de
    Rainer Ostendorf

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