Skip to content

Cem Özdemir und ich

by James T. Kirk on Oktober 10th, 2016

Folgenden Text hatte ich zwar schon im Forum Männerrechte publiziert, ich gebe ihn aber noch mal hier zum besten. Am Ende schreibe ich noch ein paar Worte dazu:

Ich bin ja Berliner und als solcher auch schon mal am Pariser Platz zugegen. Heute vor drei Wochen, glaube ich, bin ich dort am Abend Cem Özdemir begegnet. Ich stand ziemlich versonnen direkt am Brandenburger Tor, als da drei Typen im Anzug Richtung Reichstag an mir vorbeiliefen. Dann habe ich etwas verspätet gecheckt, daß da der Özdemir mit bei ist.

Ich bin dann auf ihn zugegangen und sagte Folgendes:

Sie sind doch Cem Özdemir? – Sorgen Sie mal dafür, daß die Grünen männerfreundlicher werden, dann geht’s auch mit den Wahlergebnissen wieder nach oben. Hinterfragen Sie mal den Feminismus bei den Grünen.

Ich habe ihm das völlig selbstverständlich so diktiert, und er hat ganz amüsiert reagiert. Er hat zwar nichts geantwortet, aber es verschmitzt im Vorbeilaufen zur Kenntnis genommen. Danach ist mir dann aufgefallen, daß ich in einem Tonfall geredet habe, als ob ich quasi der Meta-Beauftragte für Deutsche Politik im allgemeinen und die Grünen im besonderen wäre. Ich meine, ich habe ihm das richtig im Ton höchster Selbstverständlichkeit gesagt und mit einer gewissen Autorität.

Ich bin ja selber Grüner und meine zu wissen, wo diese Partei ihre Macken hat. Diese Begegnung fand wohl in der Woche nach der MeckPomm-Wahl statt, wo die Grünen in die politische Transzendenz entschwanden. So eine Message an Cem Özdemir wird die Grünen sicherlich nicht ändern, ich denke aber, daß die Funktionsträger ins Nachdenken kommen, wenn sie sachlich immer wieder gesagt bekommen, daß sie die feministische Ausrichtung ihrer Partei infrage stellen sollten.

Ich war da mit Fahrrad und Helm zugegen und sehe eigentlich auch aus wie ein Grüner, sodaß Özdemir das hoffentlich als Binnenkritik verstanden hat. Solch eine Kritik kann mehr Wirkung entfalten als die aggressiven Polemiken von “Rechten”. Wenn die Leute also sehen, das ist eigentlich ein Grüner, ein Intellektueller, überhaupt nicht konservativer Mann, dann schindet das schon mehr Eindruck.

Die Grünen sind leider zu doof und wissen selbst nicht, was für ein Glück sie eigentlich mit Leuten wie Boris Palmer haben. Sie hätten ein enormes Potential, wenn sie ein Stück weit vernünftig konservativ würden und dies mit Forderungen z.B. nach mehr Bio, mehr ökologisch sensibler Landwirtschaft etc. verbinden würden. Stattdessen berauschen sie sich immer wieder an ihrer höheren Moral und imaginieren sich dafür z.B. in geradezu hysterischer Weise den lupenreinen, selbstlosen “Flüchtling” zusammen, der ohne politisches Asyl in Deutschland ausweglos dem eigenen Verderben entgegensähe.

[Ende]

Tja, das war meine Begegnung mit Herrn Özdemir. Schade, daß die Grünen beim Thema der Nachhaltigkeit so weitsichtig sind und den herrschenden Ökonomismus hinterfragen, bei den Themen der politischen Korrektheit aber strunzdumm sind. Viele zynische Wähler der “rechten” Parteien bzw. des bürgerlichen Lagers sind ja genauso strunzdumm, wenn es darum geht, sich einmal die Folgen unseres Wirtschaftens anzuschauen, die nicht unmittelbar monetär zu Buche fallen – oder zumindest nicht in Bilanzen abgebildet werden.

Unser ökonomisches Handeln leidet an Reduktionismus und kompletter Blindheit für die zukünftigen Kosten vermeintlich billiger Landwirtschaft oder Stromerzeugung (Kernkraft). Ich bin da immer wieder schockiert, wie doof die Leute sind. Wir leben im Zeitalter der Pseudo-Ökonomie, auch was die Finanzwirtschaft anbelangt. Das versteht jeder, der über ein halbwegs intaktes emotionales Sensorium verfügt und nicht Wirtschaftswissenschaften studiert hat – um es einmal polemisch auszudrücken.

Erschreckend ist für mich, daß nicht gesehen wird, wie sehr die Welt davon profitiert, wenn in den Entwicklungs- und Schwellenländern die sozialen und ökologischen Standards steigen. Die gegenwärtige Weltökonomie kann man als zynischen Utilitarismus und als ein Anbeten des Konkurrenzgedankens beschreiben.

Die Idee der Konkurrenz wird zum Fetisch. Dabei müßte das Ziel lauten, weltweit humane Standards und Leitplanken zu errichten, die die durchaus produktive Konkurrenz in menschliche Bahnen leiten. Geschieht dies nicht, sind die vordergründigen Kosten zwar gering, das menschliche Leid aber immens.

Das einzige “Argument” gegen ethische Regulierungen der Ökonomie lautet: Dann sind wir weniger konkurrenzfähig. Was nur dann stimmt, wenn in den konkurrierenden Ländern und Regionen Zombies leben, die ebenfalls nicht an höheren sozialen und ökologischen Standards in ihrer Heimat interessiert sind.

Man sieht hier, daß es also Zeit braucht, man muß Vertrauen lernen, die Zusammenarbeit ausweiten und wegkommen von der Konkurrenz um jeden Preis. Dies wird nicht durch eine “marxistische” Revolution geschehen, sondern es ist ein langer, organischer Prozeß, den wir mit unserem Konsum unterstützen können. Niemand ist dazu gezwungen, Produkte zu kaufen, die auf ökologischer oder sozialer Ausbeutung beruhen.

Und es muß sich auch niemand Schwachsinnsprodukte kaufen wie Vorstadtpanzer Pseudo-Geländewagen.

Leider frönen die Grünen bei anderen Themen einem ebenso tumben Reduktionismus wie dem hier beschriebenen ökonomischen. Sie begreifen den Begriff der Gleichberechtigung nicht ganzheitlich und seriös. Also unabhängig von Prozentverhältnissen. Sie sind unfähig zu sehen, daß der Islam einen vormodernen Kulturstatus hat und es daher weder für die Migranten noch für Europa zuträglich ist, wenn massenhaft Muslime hier einwandern.

Bei diesen und anderen Themen sind die Grünen völlig unfähig zu einer ganzheitlichen und nachhaltigen Politik. Sie kleben an einem formalen, reduktionistischen Gleichberechtigungsbegriff, wie ihre Gegner an einem formalen, reduktionistischen Ökonomiebegriff kleben.

Man sieht an dieser Gegenüberstellung schön, daß Parteien eigentlich Ideologievehikel sind. Jede Partei hat ihre Fetische, die sie anbetet, ihre Verblendungszustände. Man krallt sich an Losungen, Formalismen, pauschalen Konstruktionen fest, nur um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen.

So, genug gefaselt. Man kann die Menschen nicht bekehren. Wir müssen damit leben, daß der Fortschritt leider nur sehr langsam “progrediert” – um mal ein bißchen gebildet herüberzukommen. Möge ich noch einmal Cem Özdemir begegnen und ihm dann folgende Visitenkarte in die Hand drücken:

zitate-der-gruenen.de

Ich werde mir jedenfalls mal demnächst solche Visitenkarten drucken lassen.

From → Feminismus

No comments yet

Leave a Reply

Note: XHTML is allowed. Your email address will never be published.

Subscribe to this comment feed via RSS