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Grüne: Männliche Juden sind hier unerwünscht!

by James T. Kirk on April 24th, 2013

Eine neue Provinzposse aus der Weltstadt Berlin: Das weltweit bekannte Jüdische Museum hat einen Erweiterungsbau bekommen, in dem eine Akademie untergebracht wird. Nun soll ein neuer Platz vor dieser Akademie geschaffen werden, für den man einen Namen braucht.

Nichts läge hier näher, als ihn nach dem jüdischen Aufklärer und Berliner Moses Mendelssohn zu benennen. Das Jüdische Museum steht allerdings im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Hier haben die Grünen kommunal, regional und national das Sagen. Friedrichshain und Kreuzberg sind so etwas wie das gelobte Land der Grünen. Hans-Christian Ströbele gewann hier zweimal sein Bundestagsdirektmandat – als erster Grüner überhaupt. Wie im ebenfalls grün regierten Bezirk Mitte stören sich die in Friedrichshain-Kreuzberg lebenden Frauen und Männer besonders daran, daß der überwiegende Teil der mit Personen bezeichneten Straßen und Plätze mit Wesen männlichen Geschlechts benannt ist. Jedenfalls glauben das die Grünen und haben deshalb in beiden Bezirken die Order erlassen, sämtliche neuen Straßen und Plätze ausschließlich mit Frauennamen zu benennen. Und zwar so lange, bis Parität zwischen den Geschlechtern herrscht.

Arne Hoffmann berichtete ja kürzlich vom gelobten Land der Gleichberechtigung Schweden. So weit muß man gar nicht gehen. Der Historiker Götz Aly kommentiert den Vorgang wie folgt:

In den vergangenen 200 Jahren wurde dem Berliner Aufklärer Moses Mendelssohn (1729–1786) keine Straße zuteil, weil er Jude war. Derzeit scheitert die Benennung eines neu geschaffenen Platzes nach ihm in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, weil der zu Ehrende gegen die Frauenquote verstößt. So wechseln die Gründe – das Ergebnis bleibt gleich.

Die kleingeistige Posse spielt vor der Tür des weltweit bekannten Jüdischen Museums. Die Hauptakteure hocken in der mit Abstand stärksten Fraktion des Bezirks: Es sind die Grünen. Sie schämen sich nicht, „das leider falsche Geschlecht“ Mendelssohns in einem Satz mit dem „Projekt Unisextoiletten“ abzuhandeln. Sie schämen sich nicht, den Direktor des Jüdischen Museums, Michael Blumenthal, der 1939 aus Berlin vertrieben wurde und dem die Stadt den grandiosen Erfolg des Museums verdankt, mit ideologischer Prinzipienreiterei zu traktieren.

Der Kommentar von Götz Aly ist auch ansonsten sehr lesenswert. Die Grünen erweisen sich hier in der Tat als ungebildete Spießer, denen jegliches Gefühl dafür verloren gegangen scheint, was eigentlich relevant ist und was sich für eine Stadt wie Berlin gehört.

Man kann eine Petition unterstützen, die sich dafür einsetzt, daß der Platz vor der Akademie des Jüdischen Museums nach Moses Mendelssohn benannt wird – und nicht nach irgendeiner unbekannten Quotenjüdin. Ich habe dort auch schon unterschrieben und auch kundgetan, daß ich gerade als Grünwähler über die Engstirnigkeit der Beteiligten erbost bin. Hier die Adresse der Petition:

Openpetition: Für die Benennung des Platzes vor der Akademie des Jüdischen Museums Berlin nach Moses Mendelssohn

In Kreuzberg sind übrigens nicht nur männliche Juden unerwünscht, sondern auch McDonald’s-Filialen. Vor ca. fünf Jahren wurde in Kreuzberg die erste McDonald’s-Filiale überhaupt eröffnet. Ein absolutes Novum und gewisses Risiko im autonomen Kreuzberg. Hans-Christian Ströbele mokiert sich im folgenden Video darüber, daß diese Filiale direkt gegenüber einer Schule steht. Die armen Kinder können ja zum Burger-Essen verführt werden. Bei einer Grundschule hätte ich dafür noch Verständnis, selbst bei einer Oberschule. Es handelt sich aber offenbar um eine Berufsschule, wo das Mindestalter bei 16 Jahren liegt. Als militanter Grün-Wähler habe ich natürlich auch schon in dieser Filiale gespeist, rein vegetarisch und mit gutem Gewissen.

Die Grünen begreifen leider nicht, wie sehr sie es sich mit einer intelligenten Wählerschaft verscherzen, wenn sie derartig krude und verbohrt auf grüne und linke Folklore setzen, statt sich einmal den neuen relevanten Themen zu öffnen. Ströbele agiert in diesem Video hochgradig zwanghaft und kleinkrämerisch – wie ein CSU-Mensch, nur von links.

Dabei finde ich das Argument der Eß- und Kiezkultur noch nicht einmal so verwerflich oder unbegründet. Ärgerlich ist vielmehr die Verbohrtheit und Unsouveränität, die Ströbele hier an den Tag legt. Man könnte diese Sache auch wesentlich lockerer und humorvoller abhandeln.

Update: Mittlerweile hat sich die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg dafür entschieden, den Platz vor dem Jüdischen Museum in “Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz” zu benennen.

“Fromet” ist kein orientalisches Kleidungsstück, kein russischer Volkstanz, kein neues Techno-Genre und auch keine unbekannte Rasse im Star-Trek-Universum. Fromet war der Name der Frau von Moses Mendelssohn. Nicht jeder ist in der jüdischen Kultur so bewandert, daß er gleich den Sinn hinter dieser merkwürdigen Platzbezeichnung versteht. Götz Aly hat erneut einen Kommentar zu diesem Vorgang geschrieben.

Die Petition läuft weiter. Ich selbst überlege mir gleichwohl, eine Petition zu starten, die fordert, die Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg in Johanna-und-Otto-von-Bismarckstraße umzubenennen. Man denke nur, wie die Reichsgründung ohne seine Frau Johanna verlaufen wäre.

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