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Kann es ein generisches Femininum geben?

by James T. Kirk on Juli 10th, 2013

Nachdem die Universität Leipzig beschlossen hatte, daß in ihrer Grundordnung nur noch die weibliche Form für gemischte Personengruppen benutzt werden sollte, legt nun die Uni Potsdam nach und schreibt ebenfalls ein generisches Femininum vor – diesmal nur in der Geschäftsordnung.

Die Lösung angbeblicher sprachlicher Diskriminierung von Frauen liegt also nun darin, Männer sprachlich zu diskriminieren. Mit dem feinen Unterschied, daß das generische Maskulinum eine selbstverständliche und tradierte sprachliche Konvention ist und zudem selbst von Feministinnen in ihrer Alltagssprache gebraucht wird. Feministinnen schaffen es eben nicht, ihre lebensfremde krude Ideologie auch in ihrer eigenen Sprache korrekt anzuwenden.

Etwas seltsam ist der Vorstoß der Leipziger Universität auch deshalb, weil zuvor nicht etwa das generische Maskulinum in der Grundordnung Verwendung fand, sondern männlich-weibliche Doppelnennungen. Man fragt sich angesichts dessen, wem diese Änderung eigentlich Befriedigung verschaffen soll.

Auch an der Uni Potsdam sah es ähnlich aus:

Senats-Vizechef Fred Albrecht sagte, die bislang durch die Genderisierung „verhunzelten Texte“ sollten dadurch wieder besser lesbar sein. Hätte das Gremium sich aber nur für männliche Bezeichnungen entschieden, hätte es Ärger von Feministinnen gegeben, so Albrecht.

Es erübrigt sich der Hinweis, daß die ganz normale Frau auf der Straße völlig selbstverständlich das Generische Maskulinum verwendet, ohne je auf die Idee zu kommen, davon diskriminiert zu werden.
Es braucht wohl einen ausgesprochenen akademischen Hintergrund und ein feministisches Weltbild, um überhaupt am generischen Maskulinum etwas finden zu können.

Die Begründung für kommunistisches feministisches Neusprech an den beiden östlichen Universitäten lautet also: Frauen wurden durch’s generische Maskulinum diskriminiert. Lösung: Männer werden nun durch das generische Femininum diskriminiert. Sie sollen sich mitgemeint fühlen.

Die Begründung für die Sprachpanscherei ist also die gleiche, die Feministinnen im umgekehrten Falle heftig kritisieren. Wenn also angeblich ohne weiteres Männer sich mitgemeint fühlen können, warum diese Änderung? Denn bisher konnten sich doch auch Frauen mitgemeint fühlen. Wo liegt dort jetzt der Fortschritt in Fragen der Gleichberechtigung – zumal es ja vorher bereits Doppelnennungen gab? Also nun genau genommen ein Rückschritt stattfindet?

Dieser Schildbürgerinnenstreich hat wohl sein Positives, da er das Wesen des Feminismus gut offenbart: Männerabwertung und -benachteiligung unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung. Oder nur schlicht die symbolische Abwertung alles Männlichen – und die Glorifizierung des Weiblichen. Oder noch besser: Die Inszenierung von Pseudo-Problemen.

Es ist schwer begreiflich, in was für einem Lande wir mittlerweile leben. Feministinnen wollen also die angebliche Diskriminierung von Frauen aufheben, indem sie die gleichen Begründungszusammenhänge aufstellen, die sie zuvor heftigst kritisieren. Feministinnen bringen es also fertig, sich selbst zu widerlegen. Sie liefern quasi die Legitimation für das generische Maskulinum ungewollt durch ihr Handeln mit.

Feministinnen delegitimieren sich also mal eben von ganz alleine. Man könnte nun ironisch von einem feministischen Sprachpatriarchat sprechen. Denn sie verbessern nicht etwa die Welt oder vermindern Ungerechtigkeit, sondern benutzen die gleichen Begründungen, die sie zuvor kritisieren und ablehnen. Nur mit ausgetauschten Objekten.

Wer einmal normalen Frauen in seiner Umgebung beim Sprechen zuhört, wird ohne weiteres – es sei denn er ist feministisch verblödet – festellen, daß diese mit größter Selbstverständlichkeit, ohne je einen Gedanken darüber zu verschwenden, das generische Maskulinum verwenden. Und zwar nicht nur mit Bezug auf Gruppen wie Bürger, Schüler oder Politiker, sondern sogar in bezug auf sich selbst, wenn sie z.B. sagen:

Ich bin Nichtraucher.
Ich als Student…

Im Moment fallen mir gar nicht so viele Beispiele aus der Praxis ein, obwohl ich es schon zig Mal registriert hatte, daß Frauen für sich die männliche Form benutzen. Es kann ja jeder mal selbst drauf achten.

In meinem vorletzten Artikel habe ich humorvoll darauf hingewiesen, daß die unfaßbar dumme feministische Hexe Regina Frey (Ja, ich bekenne mich zu Hate Speech!) in ähnlicher Weise auch das generische Maskulinum für sich verwandte.

Sie sagt in einem phantasiereichen Radiofeature Folgendes:

Also in meinem Blog selbst gab es nur positive Reaktionen im Sinn von:
‘Oh, interessant, und gut, dass es mal einer sagt, weil das liest man ja nicht so in der Zeitung’, dass Breivik ganz arg gegen ja Feminismus oder die Feministinnen sich sehr kritisch äußert, die in Verbindung bringt mit seinem großen Feind, des Kulturmarxismus etc.pp.

Die sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten von Frauen waren auch schon mal besser. Davon abgesehen konnte man natürlich in Zeitungen über Breiviks Antifeminismus lesen.

Schade, daß Frey nicht sagt:

Also in meinem Blog selbst gab es nur positive Reaktionen im Sinn von:
‘Oh, interessant, und gut, dass es mal eine oder einer sagt, weil das liest man ja nicht so in der Zeitung’

Wenn man außerhalb des feministischen Lügensystems steht, kommt man manchmal in ratlose Zustände, zu wieviel Dummheit sich manche Menschen freiwillig niederlassen.

Nun zur abschließenden Frage, ob es überhaupt ein generisches Femininum geben kann. Natürlich ist diese Behauptung genauso dummtuerisch wie die Behauptung eines “sozialen Geschlechts”. Genauso wie es nur ein Geschlecht geben kann – nämlich das biologische -, so gibt es auch nur ein generisches Geschlecht – nämlich das männliche.

Man kann sprachliche Konventionen nicht einfach umdefinieren nach dem Motto: Gestern so, heute so. So scheitern auch alle Versuche, Anglizismen einzudeutschen oder andere etablierte Wörter z.B. durch geschlechtsneutrale Formen zu ersetzen. Sprache legitimiert sich durch das lebendige Wort. Sie ist Gesprochenes. Schrift wurde daraus erst spät in der Menschheits- und in der Individualgeschichte. Weltfremde, intellektuelle Konstruktionen, die sich nicht im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt haben, haben keine Chance, je zu überdauern.

Ein generisches Femininum ist schlicht und einfach eine Behauptung, eine Konstruktion – ohne emotionalen, lebendigen Unterbau. Aber der Kontakt zu Emotionalität und Lebendigkeit scheint Feministinnen sowieso abhanden gekommen, sonst würden sie merken, wie selbstverständlich ihre Geschlechtsgenossinnen sich sprachlich ausdrücken.

Deshalb muß man kein Prophet sein für die Vorausschau, daß das generische Femininum genauso untergehen wird wie die vielen anderen intellektuellen Versuche, ein angebliches Paradies auf Erden zu schaffen.

Halten wir also noch mal abschließend fest, weil es so schön ist: Das generische Maskulinum ist legitim, weil Frauen sich mitgemeint fühlen können. Dies ist nicht nur etwa eine Alltagswahrheit, sondern Feministinnen und an den Zeitgeist angepaßte Universitätsprofessoren erschaffen indirekt und ungewollt den Begründungszusammenhang, der das generische Maskulinum rechtfertigt.

Ich bin kein Sprachwissenschaftler, Gott sei Dank. Sonst würde ich vielleicht noch wie Anatol Stefanowitsch enden, quasi eine Art “lila Papagei”, der sich dem Feminismus andient. Ich habe den Eindruck, daß man geradezu auf keinen Fall Sprachwissenschaftler sein sollte, um einfache linguistische Erkenntnisse machen zu können. Eine sehr einfache Erkenntnis ist z.B. die, daß sich Sprache und Bedeutung durch Kontext und Konvention herstellen. Wenn eine Frau beispielsweise sagt “Ich bin Nichtraucher.” oder “Ich bin Student.”, so ist es eben nicht so, daß sie sich nun dankbar als Frau “mitgemeint” fühlt, wo doch eigentlich ein Mann gemeint ist. Es ist vielmehr so, daß durch den Kontext das generische Maskulinum ein inhaltliches Neutrum wird. Dies geschieht völlig unbewußt und niemand denkt mehr darüber nach.

Wenn ich von den Politikern oder den Amerikanern spreche, ergibt sich sofort aus dem Kontext der sprachlichen Anwendung, daß das Geschlechtliche inhaltlich keine Rolle spielt. Wo sind wir eigentlich angelangt, daß man solche Selbstverständlichkeiten explizieren muß? Und “Sprachwissenschaftler” jeglichen Kontakt zur Realität verloren haben?

In der Realität könnte man auch registrieren, daß schon auf einer rein formalen Ebene männliche Bezeichnungen wie “Kanzler”, “Richter” oder “Busfahrer” in aller Regel das Grundwort bilden, während die weibliche Form nur durch einen kleinen Zusatz gebildet wird. Das generische Maskulinum ist also nicht nur eine konventionelle Tradition, sondern drängt sich geradezu schon aus formalen Gründen auf.

Wir machen also in vielen Sprachsituationen klar, daß der Aspekt Geschlecht unwesentlich ist und daß es vielmehr um den Status eines Menschen oder einer Menschengruppe geht. Es macht uns das Sprechen einfacher, den Geschlechtsaspekt auszuschließen. Es handelt sich schlicht um eine sprachliche Konvention, die in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es wird also keineswegs der bewußte Denkakt vollzogen:”Das ist die männliche Form, hier bin ich als Frau mitgemeint.”

Aber das ist wohl zu hoch für feministisch verblödete Linguistik-Professoren.

Man kann auch an akademischen Vollidioten wie Anatol Stefanowitsch sehen, der die feministische Sprachkritik teilt, was heutzutage vielfach von unseren Geisteswissenschaften zu halten ist.

PS: Hier noch eine Auflistung von Wörtern aus dem Alltag, die unbedingt gegendert werden müssen, damit das Weibliche wieder in unserer Sprache rehabilitiert wird und eine bestimmte Gruppe von Frauen wieder zu Selbstbewußtsein und Selbstachtung findet:

Fußabtreterin
Feuerlöscherin
Schuhanzieherin
Salzstreuerin
Scheinwerferin
Lügendetektorin
Kreuzschlitzschraubendreherin
DVD-Playerin
Video-Recorderin
Plattenspielerin
Schwarzweiß-Fernseherin
Hefterin
Ordnerin
Locherin
Füllfederhalterin
Kugelschreiberin
Düsenjägerin
Hubschrauberin
Abstandshalterin
Fallrückzieherin (Kommt besonders gut, wenn sich der erste schwule Bundesligaprofi geoutet hat.)
Computerin
Tintenstrahl-Druckerin
Scannerin
Rechnerin
Equalizerin
Amplifierin
Tunerin
Radiosenderin
Lautsprecherin
Luftschutzbunkerin
Büstenhalterin
Imperiale Sternenzerstörerin
Wannenreinigerin
Lichtschalterin
Feuermelderin
Tischtennisschlägerin
Fahrkartenschalterin
Rosinenbomberin
Fahrradständerin
Kaffeefilterin
Doppeldeckerin
Straßenkreuzerin
Telefonhörerin
Türstopperin
Korkenzieherin
Staubsaugerin
Arbeitsspeicherin
Mathematische Co-Prozessorin
Flaschenöffnerin
Zigarettenanzünderin
Bewegungsmelderin
Flugzeugträgerin
Hosenträgerin
Stahlträgerin
Dosenöffnerin
Panzerkreuzerin
Betonmischerin
Wasserkocherin
Barhockerin
Chinaböllerin
Hochstarterin
Tieffliegerin
Heimtrainerin
Hochdruckreinigerin
Kerzenhalterin
Deckenfluterin
Wasserwerferin
Stabmixerin
Haartrocknerin
Terminplanerin
Gepäckträgerin
Viertürerin
Dreiwege-Katalysatorin
Akkulade-Adapterin
USB-Steckerin
Hybridmotorin
BMW-Dreierin
Fahrradlenkerin
Steigbügelhalterin
E-Mail-Verteilerin

Nach dem generischen Femininum sollte man sich diese und andere Wörter vornehmen und ihren lange verdrängten weiblichen Aspekt hervorheben. Die Unterdrückung der Frau in der Sprache geht viel weiter, als man es sich gemeinhin vorstellt.

9 Comments
  1. Hans K. permalink

    Nun, ich bin Sprachwissenschaftler, und was Stefanowitsch im speziellen und die Analyse der feministischen Linguistik (FL) im allgemeinen anbelangt… ich kann versichern, dass das definitiv nicht stellvertretend für die ganze Disziplin genannt werden darf.

    Im Gegenteil gibt es fundierte wissenschaftliche Kritik an Methoden und Ergebnissen der FL (steht sogar im Wikipedia Artikel), und die Linguistik verhindert eher noch größeren Flurschaden solcher Totalitaristen wie Stefanowitsch. Die “akademische Verblödung” solltest du also zurücknehmen; das liegt eher an deiner Wahrnehmung durch die Medien und Diskurs, dass solche Quatschköppe wie S. herausstechen.

    Privat stimme ich allerdings zu. Ich habe mich selbst schon mit Leuten verstritten(!) die mir Sexismus unterstellten und sich persönlich angegriffen fühlten, sobald ich die Diskussion mit linguistischen Daten und Konzepten (bspw. Genus vs. Sexus) anreicherte. Insofern ist nachzufragen, inwieweit der/die Feld-Wald-Wiesen-Hirnnutzer_in überhaupt an der Sache interessiert ist, und in Konsequenz sachliche Argumente überhaupt zulassen.

  2. Danke für deinen Kommentar,

    das ist ja erfreulich, was du berichtest. Mit akademischer Verblödung meine ich ganz allgemein die feministische und “genderistische” Durchdringung der Geisteswissenschaften.

    Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, daß man in vielen Bereichen völlig abstrakt und untangiert von den Erkenntnissen der Tiefenpsychologie, insbesondere Alice Millers, über alles Mögliche räsonniert und unverbindliche Erklärungsmodelle aufstellt. Man denkt z.B. über ethische Fragen nach, ohne zu realisieren, daß die Möglichkeit für Menschen, ethisch zu handeln, maßgeblich von der Gewalt und LIeblosigkeit abhängt, die sie in der Kindheit erfahren haben. Sowie von ihrer Haltung als Erwachsene zu den erfahrenen Mißhandlungen – abwehrend, bagatellisierend oder empathisch und ernst nehmend.

    So etwas kann man sich eben schwer aussuchen. Diese viel existentielleren und elementareren Fragen werden immer noch gemieden. Man möchte nicht zur Kenntnis nehmen, was für eine Kindheit beispielsweise Hitler, Stalin oder Kriegsverbrecher hatten – oder welche Rolle diese Fragen für die Pädagogik, Psychologie oder Politikwissenschaften haben. Im Grunde sind die Geisteswissenschaften ein Teil des Entfremdungsapparates, den letztlich alle aufrechterhalten. Das trifft auch für die Medizin zu.

    Zur Genus-Sexus-Frage wollte ich auch noch etwas schreiben. Denn häufig wird leider das generische Maskulinum mit der Sexus-Variabilität oder -Neutralität von Wörtern begründet.

    Stichwort: das Staatsoberhaupt, der Gast, die Person.

    Das zieht aber beim generischen Maskulinum nicht, denn dort gibt es nicht ein einziges Wort, das schon von Natur aus mehrere Geschlechter repräsentiert, sondern es ist zunächst mal inhaltlich männlich und es gibt eben auch die weibliche Form.

    Der eigentliche Begründungszusammenhang ist also die Konvention – und nachrangig noch die formale “Basis” der männlichen Form (Maler, Politiker, Raucher).

    Das liegt mir mal auf dem Herzen, und ein Linguist wird diese kurzen abstrakten Sätze bestimmt verstehen. Sicherlich kann die männliche Form (Genus) einen weiblichen Sexus repräsentieren. Die genannten geschlechtsneutralen Wörter wie z.B. Staatsoberhaupt taugen aber nicht als Begründung fürs generische Maskulinum. Sie sind von Natur aus geschlechtsneutral.

    Spätere Generationen werden nur staunen können, was man in unserer Zeit zum Problem stilisiert. Und den normalen Mann auf der Straße interessieren die feministisch-linguistischen Sperenzchen sowieso nicht.

    Das ist auch ein Rätsel, wie sehr Feministinnen sich weigern, die Realität zur Kenntnis zu nehmen.

  3. Frauenhaus - Von Frauen. Für Frauen. permalink

    Am besten gefällt mir Herpes-Erregerin.

    http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/1428/generisches-maskulinum-feminismus/

  4. Omti permalink

    “Amplifierin
    Tunerin”

    Das klingt irgendwie nach chemischen Kampfstoffen :D

    Ich bin ehrlich gesagt ganz froh um diese dummen Skandale. Dadurch zeigen die Feministen ja nur welchen Geistes Kind sie sind. Es ist nur Schade, dass die Medien nicht auf das heuchlerische Verhalten hinweisen, aber wenn man sich diesen pro-Quote Scheiss anguckt, wundert gar nichts mehr.

  5. Hans K. permalink

    Hm… also den Bogen zu Alice Miller habe ich hier nicht so direkt gesehen, aber ich verstehe zumindest, was du meinst.

    Zusätzlich muss ich sagen, dass mir auffällt mit welcher Verve sich der Genderismus insbes. auf solche sekundären Phänomene wie die Sprache einschiesst. Un dabei die primären Phänomene (und ihre Ursachen), also die Gesellschaft und die Kultur, aus der die konkrete Sprache überhaupt erst ihre Bedeutung bezieht, lieber nicht oder nur vorsichtig antastet.

    Im Grunde kann man so etwas feige nennen, da man sich vieliecht kein gut alimentiertes Pöstchen kaputt machen möchte o.ä., unterstelle ich mal. Tatsache ist aber, dass man damit jeglichen emanzipatorischen Anspruch, den der Feminismus schon einmal hatte, aufgegeben hat.

    Neben konkreten sprachlichen Phänomenen wie Genus, gener. Maskulinum etc. steht auch die Wechselbeziehung zwischen Wahrnehmung formt Sprache, die wiederum Wahrnehmung formt. Ein Ausgangspunkt für Recherche ist hier die Sapir-Whorf-Hypothese (im Netz nachlesbar). Die Gewichtung dieser Wechselwirkung ist umstritten.

    Es ist zwar aufgrund dessen, das bspw. Propaganda/PR wirkt, belegbar, dass mit Sprache die Wahrnehmung manipuliert werden kann. Auf der anderen Seite haben wir im europ. Kulturkreis mehrere Sprachen, die kein Genus kennen und auch historisch nie kannten. Die zugehörigen Kulturen decken allerdings ein ganzes Spektrum von relativ patriarchal (Türkisch), relativ gleichberechtigt (Finnisch) bis ursprünglich wahrscheinlich matriarchal (Baskisch) ab.

    Zu sagen, wir ändern Sprache um das Denken zu ändern, ist also schon konzeptuell ziemlich fragwürdig.

    p.s. eventuelle Artikel mit Linguistik-Bezug kann ich gern auch schnell mal korrekturlesen, wenn Bedarf bestünde

  6. Hm… also den Bogen zu Alice Miller habe ich hier nicht so direkt gesehen, aber ich verstehe zumindest, was du meinst.

    In meinem Artikel war auch kein Bezug, ich meinte das auf die Geisteswissenschaften insgesamt bezogen. Ich bin sozusagen der Alice-Miller-Beauftragte der Männerbewegung, wofür ich immer wieder Spott beziehe.

    Aber man kann auch Alice Miller zu Rate ziehen, wenn man den sprachlichen Waschzwang im Feminismus erklären will. Man muß ja wahrlich kein Tiefenpsychologe sein, um zu dem Schluß zu kommen, daß sämtliche Feministinnen einen Vaterkomplex haben und viele als Kinder sexuell mißbraucht wurden. Man denke nur an all die absurden Auffassungen bezüglich Sexualität, die unübersehbar symbolisch ein Trauma inszenieren, und daran, daß sehr viele Feministinnen lesbisch sind.

    Auf sprachlicher Ebene wird das Männliche bekämpft und man inszeniert geradezu lächerliche Opferkonstellationen, die eigentlich schon für die geschlossene Psychiatrie qualifizieren.

    Hier mal ein Schmankerl:

    http://www.anrede-mann.de

    Ansonsten sind auf der Seite von Alice Miller viele lesenswerte Texte:

    http://www.alice-miller.com

  7. derdiebuchstabenzaehlt permalink

    @Hans K

    Wo ist sie denn, die Kritik der Sprachwissenschaftler? Sind das die tollen Wissenschaftler, die “sich an Studierende mit ausgeprägtem linguistischem Interesse” richten?

    http://www.uni-muenster.de/Germanistik/Studieren/masterstudiengaenge/angewandte-sprachwissenschaft.html

    Können die kein(e) Deutsch(e) (Sprache)? Kennen die den Unterschied zu Studenten wirklich nicht? Solche “Wissenschaftler” kann doch niemand ernst nehmen. Lächerliche Bande!

    Das Schlimme ist, daß auch diese “Wissenschaftler” morgen mit dem deutschen Gruß grüßen würden, wenn nur der Zeitgeist es wollte!

  8. Robert permalink

    “Etwas seltsam ist der Vorstoß der Leipziger Universität auch deshalb, weil zuvor nicht etwa das generische Maskulinum in der Grundordnung Verwendung fand, sondern männlich-weibliche Doppelnennungen. Man fragt sich angesichts dessen, wem diese Änderung eigentlich Befriedigung verschaffen soll.”

    Die Physik wollte der nicht gerade des Feminismus verdächtigen Juristenfakultät Befriedigung verschaffen. Oder hatte keine Lust auf eine lange Debatte. Im Senat lief das ungefähr so ab:

    Jura-Prof: Das liest sich voll umständlich, diese Grundordnung mit den Beidnennungen.

    Physik-Prof: Dann machen wir halt alles feminin.

    Antrag angenommen, fertich.

    ———-

    Zu Hans K., angeblich Linguist, sollte gesagt werden, dass auch er keineswegs stellvertretend für die Disziplin steht.

  9. Robert W. permalink

    noch ein paar Anmerkungen:
    1. Es gibt das generische Femininum. Wenn man z.B. von einer “Katze” oder “Gans” redet und es einem egal ist welches Geschlecht das betreffende Tier konkret hat (ob es also eine Katze oder ein Kater, eine Gans oder ein Ganter ist). Auch eine “Person” hat nicht zwingend ein biologisches weibliches Geschlecht.
    2. Der Grundfehler bei dieser Thematik ist der, dass eigentlich ein bestimmter Begriff überhaupt keine Aussage zum biologischen Geschlecht trifft, selbst wenn das Wort grammatisch weiblich (wie “die Person”) oder grammatisch männlich (wie “der Student”) ist. Der “Fehler” im Deutschen liegt darin, dass man durch Anhängen eines -in konkret ein biologisch weibliches Geschlecht ausdrücken kann, aber man zu seltsamen Hilfskonstruktionen greifen muss, um ein konkretes männlichs biologisches Geschlecht ausdrücken zu können (“die männlichen Studenten” vs. “die Studentinnen”). Und darum ist der Standardvorwurf, Frauen wären ja doch nur “mitgemeint” auch so hirnrissig.

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