Skip to content

Niggemeier scheitert an GEW-Fragebogen

In letzter Zeit gab es eine wütende Debatte um Matthias Matussek und sein ironisches Homophobie-Bekenntnis. Wenig später legt Mattussek noch mal nach und bezeichnet auf The European Homosexualität als Fehler der Natur, womit er zumindest den aktuellen Stand der Forschung korrekt wiedergibt. In seinem Artikel läßt Matussek noch einmal auf schöne Weise den Irrsinn der gegenwärtigen Gender- und Queer-Ideologie Revue passieren: Also daß uns einerseits Homosexualität als etwas ganz doll Natürliches, biologisch Determiniertes verkauft wird, bestimmte Kreise aber nicht müde werden, darauf hinzuweisen, wie sehr unsere “sexuellen Orientierungen” doch gesellschaftlich konstruiert seien. Nun zum Stein des Anstoßes: Matussek zitiert auch aus einem depperten, peinlich homophilen Fragebogen in einer Handreichung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Baden-Württemberg.

In diesem Fragebogen aus dem Jahre 1972, der für heutige Siebtklässler gedacht ist, werden angeblich typische Fragen, denen sich Homosexuelle ausgesetzt sehen, auf Heterosexuelle gemünzt. Dort stehen dann Dinge wie:

    Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität
    Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen gleichen Geschlechts kommt?
    Wann und warum hast Du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
    Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschock-Therapie zu machen?

Dieser Fragebogen soll also dazu dienen, Heterosexuelle in die Nöte zu bringen, in denen sich angeblich Homosexuelle befinden. Er scheint offenbar von sehr progressiven Geistern ersonnen worden zu sein. Denn dieser Fragebogen basiert auf einer Anmaßung, nämlich der angeblichen Gewißheit, Homosexualität sei etwas völlig Gleichwertiges wie Heterosexualität und kein Produkt psychosozialer Einflüsse.

Das ist das erste Problem des Fragebogens. Offenbar reichte es den damaligen Verfassern dieses Fragebogens nicht, für Toleranz gegenüber Homosexuellen zu werben. Da man sich ja im Besitz des Guten und auf der Seite des Fortschritts meint, erklärt man Homosexualität kurzerhand als etwas der Heterosexualität völlig Gleichwertiges.

Gegen diese Annahme spricht bereits, daß so gut wie jeder Schwule berichtet, auch eine Erektion in Gegenwart einer Frau bekommen zu können oder schon ausgiebig entsprechenden Sex praktiziert zu haben. Da scheint es die Biologie nicht wirklich ernst gemeint zu haben mit der Homosexualität, aber lassen wir das. Wir leben im Zeitalter der Homo-Neurose, da zählen solche Betrachtungsweisen nicht.

Es ist doch schön und gut, daß wir Toleranz gegenüber Homosexuellen walten lassen. Darüber freue auch ich mich. Nur warum muß man dann gleich das Kind mit dem Bade ausschütten?

Der eigentliche Stein des Anstoßes der Matussek-Niggemeier-Internet-Homo-Fragebogen-Toleranz-Fehde ist nun, daß Matussek – für mich völlig nachvollziehbar – die Fragen des GEW-Katalogs nicht als Satire verstanden hat, sondern für bare Münze nahm. Stefan Niggemeier warf Matussek daraufhin vor, zu dumm für Recherche und für ein ordentliches Textverständnis zu sein.

Ich – kein geringerer als James T. Kirk – möchte nun Aufklärung in diesen Salat bringen und ein paar für Niggemeier wenig vorteilhafte Dinge zu Tage fördern. Stefan Niggemeier ist selbst homosexuell und daher womöglich etwas schwer von Begriff, wenn es um die Abgründe der Queer-Theorie und das Gebaren von linken Gender-Ideologen geht. So wird Niggemeier möglicherweise noch nicht registriert haben, daß man in dieser Szene und an der Universität unsere Heterosexualität als Zwangsprodukt verkauft. Dort wird offen über Heterosexuelle gelästert, die in der Öffentlichkeit küssen oder sich als Familie mit Kindern vergnügen. So etwas sei Diskriminierung von Homosexuellen.

Die Bloggerin und Journalistin Nadine Lantzsch ist hier ein besonders interessantes Exemplar. Wie ich einmal bei Hadmut Danisch las, ist die ehemalige Gender-was-weiß-ich-Professorin und heutige Verfassungsrichterin Susanne Baer wie ihre feministische Ideengeberin Katherine MacKinnon der Meinung, daß der heterosexuelle Geschlechtsverkehr das Patriarchat stärke. Nun ja, was soll man dazu noch sagen? Hat Niggemeier diese Gender-Queer-Umtriebe noch nicht mitbekommen? Es ist also wenig verwunderlich, daß man diesen Fragebogen für bare Münze nimmt – und nicht als Satire versteht. Die Wirklichkeit ist leider nicht so lustig und hat diesen Fragebogen schon längst transzendiert.

Nun zu mir. Ich habe den GEW-Fragebogen das erste Mal vor ca. zwei Wochen gelesen angesichts der Homo-Inquisitionssendung von Sandra-Maischberger, in welcher man sich brüsk empörte als die Vertreter der Homohasser und Toleranzvernichter Vernunft auf den GEW-Fragebogen hinwiesen und daraus zitierten.

Ich habe die Fragen folgendermaßen verstanden: Mir war völlig klar, daß die Grundlage für diesen Katalog natürlich Fragen waren, denen sich normalerweise Homosexuelle ausgesetzt sahen oder was man zumindest diesbezüglich annimmt. Dieses Momentum war für mich allerdings nur ein schwaches Hintergrundrauschen. Die gegenwärtigen Abgründe des Gender-Stalinismus waren für mich der eigentliche Impetus des Fragebogens. Kindern sollte hier ganz offensichtlich beigebracht werden, ihre Heterosexualität als etwas sozial Gewordenes und Veränderbares zu begreifen. Ich bitte hiermit Stefan Niggemeier um Entschuldigung, daß ich zu solch einem Textverständnis gelangte. Daran hätte auch nichts geändert, wenn ich gewußt hätte, daß das Original aus dem Jahre 1972 stammt. Entscheidend ist nun einmal, was in der Gegenwart mit solch einem Katalog bezweckt wird.

Für mich persönlich verschwammen hier also die Momente des Ziels, Schülern Toleranz und Perspektivübernahme nahezubringen, und des Ziels, den Schülern die Idee des Neuen Menschen schmackhaft zu machen, der seine sexuelle Orientierung und sein Geschlecht angeblich völlig frei wählen könne, aber blöderweise hier von schlimmsten reaktionären Kräften wie z.B. Gunnar Schupelius stark behindert wird. Kleine Bemerkung am Rande: In Berlin erklärt gerade unsere Schulsenatorin Dilek Kolat, daß Lehrer ihre Schüler bedingungslos zu unterstützen hätten, wenn diese nicht mehr Paul, sondern Paula sein möchten. Wie kommt Matussek da bloß darauf, die GEW-Homo-Toleranz-Akzeptanz-Impertinenz-Fragen nicht als Satire zu verstehen?

Ich bin kein Fan von Matthias Matussek, muß ihn also auch nicht in Schutz nehmen vor irgendetwas. Möglicherweise scheint Stefan Niggemeiers Realitätsbezug etwas getrübt zu sein, und möglicherweise spielt hier sein eigene Homosexualität auch eine gewisse Rolle.

Der eingangs verlinkte Text von Matussek im European ist sehr amüsant und lesenswert. Leider vermißt man in heutigen Zeiten solch bissige Abrechnungen mit dem Gender-Gedöns.

Nun noch einmal zurück zu einer Ausgangsbehauptung in meinem Arikel: Ich behauptete dreist, daß Matusseks Diktum von der Homosexualität als Fehler der Natur dem aktuellen Forschungsstand entspreche. Hierzu muß man wissen, daß gegenwärtige biologische Theorien davon ausgehen, daß Homosexualität durch eine unzureichende Hormonversorgung des Embryos zu einer bestimmten Zeit im Mutterleib verursacht werde. Bei männlichen Embryos hapere es an ausreichend Testosteron, bei weiblichen sei der Fötus zu viel Testosteron ausgesetzt. Dies führe dazu, daß die sexuellen Attraktivitätsmerkmale im Gehirn nicht gegen-, sondern gleichgeschlechtlich ausgeprägt würden.

Homosexualität ist also tatsächlich ein Fehler der Natur. 8o

PS: Es versteht sich von selbst, daß nirgendwo im Umweld des Fragebogens darauf hingewiesen wird, daß dieser eine produktive satirische Umkehr darstellen solle, geschweige denn, daß erläutert wird, wie er konkret mit den Schülern durchgenommen werden solle. Hier vertraut man offenbar völlig auf die Kreativität und Phantasie von gender-, trans- und queerbegeisterten Lehrkräften. :)

PPS: Leider weigert sich Medien-Profi Stefan Niggemeier auch, einige Kommentare von mir auf seinem Blog zu veröffentlichen, in denen ich ihn freundlich darauf hinweise, daß am Beginn der Pubertät stehende 13-Jährige, die gerade erst ihre eigene Sexualität entdecken, gewiß nicht die richtigen Adressaten für solch eine anspruchsvolle satirisch-intellektuelle Ebene sind, die mehr etwas für Oberstufenschüler oder Gender-Studies-”Studierende” wäre. :(

No comments yet

Leave a Reply

Note: XHTML is allowed. Your email address will never be published.

Subscribe to this comment feed via RSS