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Und wieder sind Männer an allem schuld

by James T. Kirk on März 25th, 2014

Vor ein paar Tagen stieß ich zufällig auf ein Spiegel-Interview zum Thema “ungleiche Löhne von Männern und Frauen”, das mit dem immergleichen Schwachsinn aufwartete. Auffällig ist, daß die Verlogenheit bei diesem Thema seit den vielleicht letzten zwei Jahren immer weniger dreist ist und man auch auf die persönlichen Präferenzen von Frauen zu sprechen kommt. Ganz schlimm ungerecht ist die Sache natürlich trotzdem noch. Wir können uns von unserer schönen Lüge noch nicht ganz lösen:

Heute ist Equal Pay Day: Fast ein Vierteljahr müssen Frauen länger arbeiten, um auf das Durchschnittsgehalt von Männern zu kommen. Das ist ungerecht – aber oft liegt es auch am Verhandlungsgeschick der Frauen. Karriereberaterin Ute Bölke gibt im Interview Tipps.

In dem gesamten Artikel wird nicht ein einziges Mal auf den Hauptgrund der Lohndifferenz abgezielt, nämlich die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern. Ein zweiter wichtiger Grund wird ebenfalls nicht angesprochen: Die geringere Arbeitszeit von Frauen bedingt durch weniger Überstunden und mehr Teilzeitbeschäftigung.

Stattdessen bekommen wir eine wunderbare Geschichte serviert, in der Frauen arme Opfer sind, weil sie nicht so clever und skrupellos um ihr Gehalt verhandeln und Männer schiere Bösewichte sind, die in Sachen Geld vor nichts zurückschrecken. Es bleibt also beim erwünschten Bild, daß Frauen zwar gleich arbeiten, aber weniger verdienen. Nur ist diesmal die Gehaltsverhandlung zum Teil dran schuld.

Die ehemalige Personal-Managerin erfreut uns mit folgenden Zeilen:

Frauen liegt es nicht unbedingt, über Geld zu reden. Sie sind ein Stück weit bescheiden. Oft höre ich Sätze wie “Die Aufgabe muss sinnstiftend sein.” Geld spielt für viele Frauen keine so große Rolle. Für die meisten Männer dagegen schon.

Aha. Deshalb verdienen Männer also mehr. Nicht etwa, weil sie sich ebenso nach sinnstiftenden Berufen sehnen, die aber zufällig besser bezahlt werden.

Dann noch diese Passage:

KarriereSPIEGEL: Und wie ist es, wenn eine Frau der Chef ist? Laufen die Verhandlungen dann fairer ab?

Bölke: Jedenfalls wird eine Frau einen Mann nicht besser bezahlen, weil er ein Mann ist. Sie wird sich mehr an Erfolgen und Arbeitsleistung orientieren.

Schon wieder ist der Mann der Bösewicht. Er verdient einfach mehr, weil er von männlichen Chefs bevorzugt wird. Es gibt also allerhand schlimme Gründe, warum Frauen einfach weniger verdienen. Die wirklichen Ursachen besprechen wir lieber nicht. Denn wir leben in einer “freien” Demokratie, in der die Menschen sich freiwillig gleichschalten und verdummen lassen. Das unterscheidet uns von schlimmen Diktaturen wie z.B. der DDR, wo die Leute nicht die freie Wahl in Sachen Verdummung hatten. Das Interview endet mit folgenden Worten:

KarriereSPIEGEL: Abgesehen von Gehaltsverhandlungen – was können Frauen im Berufsalltag tun, um in höhere Gehaltsklassen aufzusteigen?

Bölke: Sie sollten taktischer vorgehen, so wie es viele Männer machen. Die sind gut informiert, wie ihr Gehalt im Branchenvergleich aussieht. Einige bewerben sich hier und da und führen Vorstellungsgespräche, nur um zu gucken: Was bin ich eigentlich wert am Markt? Damit gehen sie in Gehaltsverhandlungen. Die Informationen bekommen sie, indem sie netzwerken. Männer haben dafür allerdings oft mehr Zeit. Zwischen 30 und 40 spinnen sie Netzwerke, die sie beruflich weiterbringen. Viele Frauen vernachlässigen das, kümmern sich um Haushalt und Kinder, sind sozusagen das Backoffice des Mannes. Wer höhere Gehälter will, muss aber auch sagen: Das hat einen gewissen Wert in meinem Leben. Ich bin bereit, dafür einiges zu tun und das mit meinem Partner abzustimmen. Sprich: Wer passt auf die Kinder auf, wenn ich abends auf eine Netzwerk-Veranstaltung gehe?

So sieht das also aus. Interessante Geschichte. Männer können nur “netzwerken”, weil sie eine starke Frau im Rücken haben. Wie rührend! Und was machen die Single-Männer? Die kinderlosen? Aber die Frau wird es schon wissen. Alles beinharte Fakten, die sich mit unserem Alltag decken. Und die Frauen? Die lassen sich das alles gefallen!

Frauen müssen also zu Männern mutieren, wenn sie die Wunschvorstellungen unserer heutigen Gender-Gesellschaft erfüllen sollen. Wir wollen kein 50er-Jahre-Rollenmodell – wir wollen ein anderes Rollenmodell, dem sich Frauen und Männer zu unterwerfen haben, damit wir endlich die ideale Gesellschaft und das Gender-Paradies erreichen.

Aber warum handeln eigentlich Männer und Frauen so unterschiedlich? Immer noch so, wie wir es eigentlich nicht wollen? Verdammtes Pack.

Im Zusammenhang mit der feministschen und gendergerechten Pervertierung unserer Gesellschaft ist es immer wieder interessant, auf welch eine dreiste Weise aus Gender-Kreisen bestimmte Rollenvorstellungen an Männer und Frauen herangetragen werden. Und alles andere blind als Zwangssystem denunziert wird.

Es handelt sich hierbei natürlich ebenso grundsätzlich um Rollenvorstellungen, wie man sie in den 50er Jahren auch von den Geschlechtern hatte – die Inhalte waren damals nur andere. Dies scheint Gender-Ingenieuren und feministischen Agitatorinnen in ihrer intellektuellen Schlichtheit nicht aufzufallen. Wie in den 50er Jahren wissen wir heute wieder genau, was gut und richtig für Mann und Frau ist.

Diese Borniertheit und Deppertheit in Gender-Kreisen macht mich immer wieder fassungslos. Fazit des oben zitierten Propaganda-Artikels ist also, daß man alle legitimen Gründe für die Lohndifferenz von Männern und Frauen verschweigt und ein Bild zeichnet, in dem der Mann rücksichtlos und egoistisch auf Kosten der Frau so lebt, daß er mehr Gehalt bekommt. Ich persönlich finde die Phantasie interessant, wenn ich mir unsere Gesellschaft in 30 Jahren vorstelle und Männer einfach wieder normale Menschen sind, denen man den gleichen Respekt erweist wie Frauen und deren Leistungen für die Gesellschaft man wieder zu schätzen weiß.

Eine Zeit, in der nicht immer wieder völlig willkürliche und zeitgeistkonforme Interpretationsschablonen angewandt werden, die geistesschwache Personen in einen moralischen Glückszustand versetzen. Aus diesem “Glückszustand” helfen ihnen auch nicht die vielen Kommentare unter solchen Artikeln und Interviews wie dem obigen heraus, die sich etwas genervt ob der Informationsresistenz von angepaßten Journalisten zeigen.

Zum absolut endgültigen Abschluß dieses larmoyanten Blogposts möchte ich aber noch einen Leserbrief präsentieren, der schön den kranken Zustand unserer Gesellschaft und vieler feministisch verblödeter Männer illustriert. Man lese:

Die Lücke ist immens!

Immer wieder melden Medien und Institutionen, dass Frauen bei gleicher Leistung “20 Prozent” weniger bekommen. Nun ist es aber so, dass bei öffentlichem Dienst, Beamten, tarifgebundenen Tätigkeiten kein Unterschied besteht: Frau Studienrätin bekommt auf den Cent genau so viel wie Herr Studienrat. Damit sich die 20 Prozent im Durchschnitt ergeben, muss es bei den frei verhandelten Gehältern einen exorbitanten Unterschied geben – wohl Faktor 2 oder so. Das kann man nicht einfach mit Bravsein bei Gehaltsverhandlungen erklären. (Zumal es auch da taffe Frauen gibt!)

Hat es jeder verstanden? Die Ungerechtigkeit ist sogar noch viel größer als sowieso schon! Solch ein Leserbrief wird vermutlich selbst altgediente Feminismuskritiker aus dem Sessel befördern. Aber so dumm sind unsere Männer leider. Auch im öffentlichen Dienst gibt es Teilzeitbeschäftigung, Überstunden und unterschiedliche Karrieremöglichkeiten. Auch hier können also ganz selbstverständlich Lohndifferenzen entstehen. Eine kurze Suche bei Skynet Google mit den Begriffen “Lohndifferenz öffentlicher dienst” fördert uns folgendes wunderbare Dokument aus dem Hause Manuela Schwesig zu Tage, das von 7,5% Lohnunterschied spricht und in dem es auf Seite 19 heißt:

Mögliche Ursachen des im Vergleich zur Privatwirtschaft relativ niedrigen Verdienstabstands zwischen Frauen und Männern im öffentlichen Dienst liegen in der stärkeren Tarifbindung und der damit verbundenen stärkeren Komprimierung der Verdienststruktur. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die unterschiedliche Verteilung von Frauen über die verschiedenen Leistungsgruppen. Während im öffentlichen Dienst etwa jede zweite Frau in einer der beiden oberen Leistungsgruppen beschäftigt ist, trifft dies nur auf etwa jede fünfte weibliche Beschäftigte in der Privatwirtschaft zu. Anders ausgedrückt üben Frauen im öffentlichen Dienst eher eine qualifizierte Tätigkeit aus – mit entsprechenden Auswirkungen auf das Verdienstniveau.

Diese Fakten, die das Bundesministerium für alles außer Männer höchstselbst präsentiert, könnten selbiges ja mal dazu bewegen, endlich die schlimme “Lohndiskriminierung” im Staatsdienst anzuprangern. Man könnte auch – da wir ja in einer total freien und ehrlichen Demokratie leben – die Fakten aus der Studie über Privat- und Staatswirtschaft einfach am “Equal Pay Day” öffentlich machen und sich nicht weiter offiziell an der damit verbundenen Lügenpropaganda beteiligen.

Aber wozu bräuchten wir dann noch ein Frauenministerium?

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