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Vor 100 Jahren: Militante Feministinnen verüben Bombenanschlag

by James T. Kirk on Februar 19th, 2013

Heute habe ich zufällig das “Kalenderblatt” im Deutschlandfunk gehört, in dem jeden Tag zurückgeschaut und runder Geburtstage gedacht wird. Heute ging es 100 Jahre zurück, und es wurde über die Suffragetten im Britischen Königreich berichtet. Was mir neu war, war die Tatsache, daß Feministinnen schon damals militant waren und nicht die angenehmsten Zeitgenossen. In dem Beitrag wird darüber berichtet, daß Suffragetten einen Bombenanschlag auf das in Bau befindliche Haus des britischen Schatzkanzlers verübten:

In Walton Hill, nur wenige Kilometer südlich von London, scheint die Welt in Ordnung: Prächtige Bäume säumen die ruhigen Straßen, stilvolle Häuser stehen in weitläufigen Gärten, gepflegte Golfplätze laden zu geselligem Clubleben. Wie viele andere Größen der britischen Politik möchte auch der Schatzkanzler David Lloyd George in diesem Idyll sein Landhaus errichten. Im Frühjahr 1912 haben die Bauarbeiten begonnen und für Mai 1913 ist der Einzug geplant. Doch einige britische Frauen haben andere Pläne mit seinem Haus.

Am 19. Februar 1913 um sechs Uhr in der Frühe zerreißt eine Explosion die Stille. Scheiben zerspringen, ein Schornstein stürzt ein, in einer Mauer klafft ein Loch. Glücklicherweise wird niemand verletzt, denn die Arbeiter sind an diesem Morgen noch nicht auf der Baustelle eingetroffen.

Die Feministinnen nahmen es also inkauf, daß Menschenleben zu Schaden hätten kommen können. Die Suffragetten kämpften damals für die Einführung des Frauenwahlrechts. Suffragette ist ein Schmähbegriff gewesen und geht auf das lateinische Wort Suffragium (Stimmrecht) zurück. Für mich war die entscheidendste Passage des Beitrags folgende gewesen, die deutlich macht, daß Frauen schon damals nicht die volle Härte des Gesetzes fürchten mußten:

Für den Bombenanschlag auf das Landhaus des Schatzkanzlers wird Emmeline Pankhurst im April 1913 zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis tritt sie in den Hungerstreik und wird wegen ihrer schlechten Verfassung nach nur neun Tagen wieder entlassen.

Eine Frau verübt also mit Komplizinnen einen Bombenanschlag, wird zu drei Jahren Haft verurteilt und kommt nach neun Tagen frei. So lebt es sich im Patriarchat. Man kann auch friedlich für das Frauenwahlrecht demonstrieren. In dem Beitrag hört man eine ähnliche Rhetorik, wie man sie von der RAF kennt: Macht kaputt, was euch kaputt macht. Gewalt gegen Sachen sei erlaubt. Die Führungsfigur Emmeline Pankhurst schreibt damals:

“Wir handeln nicht unrecht, wir handeln richtig, wenn wir unsere revolutionären Methoden gegen privates Eigentum anwenden. Es ist unsere Aufgabe, auf diese Weise die richtigen Werte wieder einzusetzen und den höheren Wert der Menschenrechte gegenüber den Eigentumsrechten zu betonen.”

Auch heute werden Frauen vor der Justiz systematisch besser behandelt, müssen sich nicht für Falschbeschuldigungen verantworten und bekommen geringere Haftstrafen und zahlreiche mildernde Zugeständnisse, weil sie ja Frauen sind.

Der Beitrag im Deutschlandfunk wertet zwar nicht explizit, aber die Verfasserin scheint die Aktionen dieser Feministinnen gutzuheißen und nichts dabei zu finden, positiv-amüsant über diese Geschehnisse zu berichten. Es ist keinerlei kritische Haltung spürbar, und die Frauenrechtlerinnen und ihre Aktionen werden nachträglich idealisiert:

Doch diese Bombe war nur der Anfang: Die Suffragetten verwüsten Busse, sie schütten Säure in Briefkästen und werfen Schaufenster ein, sie stecken Kirchen in Brand, liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei und schleudern Katzenkadaver auf den Premierminister.

So etwas hatte die Opposition in der DDR nicht nötig.

From → Feminismus

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